KUNSTLIEBE 2009 / 2010
Laudatio zur Aussttellungseröffnung am 26. März 2009 gehalten
von Herrn Bernd Bendler (Galerist in Bonn Bad Godesberg)
Die hier gezeigten Arbeiten der Künstlerin Kim Kluge sind der vorläufige
Abschluss und, wie ich finde, Höhepunkt einer Entwicklung der letzten Jahre,
und das in doppelter Hinsicht. Einerseits hat Kim Kluge das, was sie macht,
von der Pike auf gelernt: Von 1993 - 1999 studiert sie freie Kunst in Braunschweig
mit den Schwerpunkten Malerei, Zeichnung, neue Medien und eben: Fotografie,
das was wir ja hier sehen, und schließt dieses Studium als Meisterschülerin von
Walter Dahn ab. Diese Ausbildung strebt danach, Kunst zu machen und damit an
die Öffentlichkeit zu gehen und sich in eine Ausstellung einzubringen.
Insofern ist diese sicherlich ein Höhepunkt in ihrer jungen Karriere.
Aber auch künstlerisch und optisch sind diese Bilder vorläufiger Abschluss und
Höhepunkt. Ihren Ursprung haben diese Bilder im Jahre 1998, als sie sich im
Rahmen ihrer Diplomarbeit in Schottland aufhält. Dort entstehen zweigeteilte Bilder:
Auf der einen Seite eine Lanschaftsfotografie, auf der anderen Seite ein Raster aus
einem immer wieder wiederholten kleinen Einzelelement aus diesen Bildern, so dass
das Einzelelement seine Bedeutung verliert und durch die Vergrößerung entfremdet
und abstrahiert wird. Abstraktion im konkreten Wortsinn: Abstrahere: Wegnehmen,
wegziehen: Von der konkreten Bedeutung des Elements etwas wegnehmen. Ihre
2005 durchgeführte Ausstellung "No One" ist der gleichen Idee verpflichtet: Kim Kluge
fotografiert Menschen und setzt diese Personen in Gegensatz zu vergrößerten
Raster - Bildern ihrer Haare, die so nicht mehr erkennbar sind und ein ganz neues,
strukturelles Erleben ermöglichen. Abstrakte Muster im Gegensatz zur Person!
Konsequent entwickelt Kim Kluge dieses Thema weiter, verändert es und bleibt
sich dabei trotzdem treu. Für ihre neue Ausstellung "Movements" 2007 zitiert sie
sich selbst, indem sie winzige Details ihrer gemalten Bilder fotografiert, diese ins
Vielfache vergrößert und so Verfremdung und Abstraktion, aber auch ganz neue
Inhalte schafft. Es entstehen so großformatige, neue, selbständige Bilder. Der
Unterschied, die Entwicklung besteht darin, dass Kim Kluge nicht mehr Raster
schafft durch häfiges Wiederholen von Details, sondern das Detail selbst als
Kunstwerk durch Vergrößerung erschafft.
Soweit die Vorentwicklung. Die Werke ihrer Ausstellung "Kunstliebe", die wir ja hier
eröffnen dürfen, bleiben der Grundidee Verfremdung durch Vergrößerung treu, gehen
aber noch einmal einen entscheidenden Schritt weiter. Kim Kluge wendet sich den
Objekten Holz, Sisal, Rost und anderen Naturmaterialien zu. Mit einem Makroobjektiv
fotografiert sie wiederum Details, vergrößert diese Aufnahmen und verstärkt in der
Computerarbeit die vorhandenen Farben! Es werden keine neuen Farben hinzugefügt!
Alles kommt aus dem Bild selbst! Und so entstehen ganz neue ästhetische Welten mit
ganz neuen Inhalten, die sich vielfach der Deutung ihrer Herkunft völlig entziehen.
Es entstehen warme, Lichtdurchflutete Landschaften, es entstehen Fotos von
Menschen und ihren Tätigkeiten, es entstehen Bilder, die Sicherheit und Angekommen
sein vermitteln. Durch das Verwenden eines Makro - Objektives, welches ja nur in einer
dünnen Ebene Tiefenschärfe bekommen kann, entstehen durch den unscharfen
Vorder– und Hintergrund , der ja gewollt ist, räumliche Landschaften
mit sehr intensiver Perspektive. Aber auch die noch gegenständlichen Bilder,
wie zum Beispiel der Holzstapel, bekommen allein schon durch die Wahl des
Ausschnittes und die intensiven warmen Farben etwas ganz und gar Malerisches.
Und all das Zusammen bezeichne ich als einen Höhepunkt im Schaffen der Kim Kluge.
Auf die Frage, was sie zu ihren Bildern inspiriert, erwähnt Frau Kluge zwei
künstlerische Anregungen. Einmal ist es Joseph Beuys, der Kunst eben auch zufällig
sah und der behauptete, auch beim Kartoffelschälen entstünde Kunst: Eine neue Form!
Kunst entsteht aus den Dingen des Alltags! Hier: Kunst entsteht aus Holz, Sisal und Rost!
Dann ist da noch Andy Warhol und andere Popart Künstler. Auch diese haben
verfremdet, indem sie ins gigantische vergrößert und farblich verändert haben.
Man denke nur an...
Kim Kluge nutzt zwar diese Anregungen, setzt sie aber auf eine neue, ihr eigene und
von ihr erschaffenen Weise um. Sie produziert etwas Neues, etwas Unverwechselbares
mit einem großen Wiedererkennungswert. Malerei erfindet, sagt sie. Fotografie
dokumentiert. Kim Kluge ist es gelungen, durch das dokumentieren in der Fotografie
das Erfinden der Malerei zu erreichen! Höhepunkt!
Aber auch ihre Person, geistige Haltung und ihre Vorlieben bestimmen diese Bilder:
"Ich schaue sehr gern ins Detail, ich betrachte sehr gern aus der Nähe, ich hinterfrage
sehr gern" sind Aussagen, die sie im Gespräch immer wieder macht. Und damit ist
Kim Kluge sehr nah bei Josef Albers, der auf die Frage, ob und was seine Bilder
bewirken könnten, gesagt: "To open eyes! Augen öffnen zu kritischem sehen und
Hinterfragen." Und er sagt weiter: "Wer gelernt hat, in der Kunst kritisch zu sehen
und zu hinterfragen, wird auch im wirklichen Leben genauer hinsehen und sich
nicht so schnell täuschen lassen."
Und so können wir getrost diese Anregung aus dieser Ausstellung mit uns nehmen:
Auch Kim Kluges Bilder öffnen unsere Augen und regen uns an, genau hinzusehen
und zu hinterfragen. Höhepunkt!
Bernd Bendler (Galerist in Bonn Bad Godesberg)
www.klugekunst.de